„Falling“ into new priorities

I recently fell (uncontrolled) from a handstand into a wheel, which is fine if you have the right muscles activated, but I was tired and not fully present and I fell. My spine got compressed and I was running around (literally) with pain, pushing through though cause there was so much to be organised before leaving to Portugal to start a new job. I kept on practicing yoga (with handstands and backbends and all of that cause I love it) and also who am I even if I don’t do yoga? 

When going to a osteopath after 10 days of a still hurting spine, she told me, after the treatment of bringing every vertebra back to its place, to stop doing yoga for a week so that the spine can rest and reset after being compressed through the fall. I was immediately panicking inside, cause not being on the mat isn’t the easiest thing for me to do. But turned out it is exactly what my body and soul needed.

Simultaneously my coworker said to me: “in Columbia (where she is from) people still know how to do nothing, how to enjoy the sweetness of doing nothing. Just watch the ocean and don’t do anything else.” So after work I went to the ocean (without a book even), watched the waves and didn’t do anything else. And watching the waves roll in, I realised how exhausted I actually feel from the last years really. What a busy life I’ve created by studying my master, having a job at university for some time and building my own business at the same time. I was challenging myself over and over again, I was choosing to grow, to try new things and to keep on working for my dreams. And I loved that life, most of the times. But there were (as with everything in life) also downsides of being self employed and studying. Namely, a lot of stress and no clear boundaries of work and freetime (at all). I knew deep down in my heart I needed a change from that. I wasn’t used to doing nothing, the way my coworker described it. And my heart was craving it, my body and soul were in need of rest. 

So I decided to re-evaluate my priorities. And for the first time in years, I decided to prioritize myself over me in my profession as a yoga teacher. To prioritise sitting at the beach and watching the waves instead of reading a book to learn more about yoga (or anything else). To prioritize my heath and well-being before supporting others in theirs. Cause what is it worth if I don’t offer myself the same patience, time and rest that I am trying to bring into other peoples life as a yoga teacher? 

I am deciding to practice the sweetness of doing nothing. And that might even mean to step back from practicing yoga for a week at least. Cause that is yoga off the mat: to listen to your body and soul what  you really need and to give yourself permission to do that instead of continuing to do what you are used to do. And believe me, stepping a bit back from being a yoga teacher is one of the hardest things for me. Because I love it so so much, because I identify so much with it. And at the same time my heart is telling me to take a pause, even if that’s the most challenging thing for me, or maybe exactly because that is the most challenging thing for me. 

I’m gonna rest to come back even clearer in my intention and spirit and more whole in my heart and own well-being. So if you might need to hear that as much as I do right now, here is a reminder for both of us: Don’t forget to prioritise your own heath and well-being, you only have one body in this life. 

Wie entsteht inneres Gleichgewicht im Körper durch Yoga?

Inneres Gleichgewicht und innere Ruhe sind Voraussetzung für das Ziel des Yoga der
Selbstverwirklichung (vgl. Kapitel 3.1). Die Sutras 1-16 in Patanjalis Yogasutra handeln
zunächst davon, was Yoga ist (1-4). In den Sutras 5-11 beschäftigt er sich mit den mentalen Mustern, (vrittis) und in den Sutras 12-16 mit der Praxis des Loslassens. Er beschreibt darin ebenfalls die, für den Yogaweg notwendige und zu lernende innere Ruhe des Bewusstseins (chitta) sowie den Weg, um diese erreichen zu können (vgl. Skuban 2011, S. 19 ff.). Direkt das zweite Sutra beschreibt das Ziel und den Weg des Yoga zugleich mit: „yogash chitta-vritti-nirodhah“ (Skuban 2011, S. 304), was übersetzt bedeutet: „Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der dauernd sich verändernden mentalen Muster“ (Skuban 2011, S. 19). Wenn der Seher (die Person), in sich selbst ruht, ist dies Selbstverwirklichung (3. Sutra) (vgl. ebd., S. 20). Wenn das in sich selbst ruhen (Selbstverwirklichung) nicht vorhanden ist, „nimmt der Seher die Form der mentalen Muster an: Es scheint als wäre er identisch mit ihnen“ (Skuban 2011, S. 20). Diese Identifikation mit in uns aufziehenden und vergehenden Gedanken und Gefühlen sind, nach Patanjali, die Hauptursache für Ängste, Sorgen, Ärger und Zorn, kurz für alles empfundene Leid (vgl. ebd., S. 20 f.). Um diese Anhaftung, fälschliche Identifikation (denn nach Patanjali sind wir mehr als unsere Gedanken und Gefühle) sowie Abhängigkeiten von äußeren Umständen zu vermeiden oder zu verändern, bietet Yoga den Weg zur Loslösung (vairagya) in Form von Praxis/ Übungsmethoden (abhyasa) des achtgliedrigen Yogapfades an (vgl. Kapitel 3.1, vgl. ebd., S. 30 ff., vgl. Schwalbach 2016, S. 18). Der Weg zu innerer Ruhe und innerer Freiheit im Yoga bedeutet „nicht anhaften an den Dingen, die wir mögen oder nicht mögen“ (Skuban 2011, S. 31) und „ist ein Ausbrechen aus der Gefangenschaft äußerer Umstände“ (Skuban 2011, S. 31). Es geht beim Losgelöstsein (vairagya) auch darum, sich (mental) frei von äußeren Umständen zu machen, was in der heutigen Zeit beispielsweise auch die Umstände betrifft, welche stressauslösend in der modernen, sich stetig verändernden Leistungsgesellschaft sein können (vgl. Schwalbach 2016, S. 18 ff.). Der Yogaphilosophie zufolge soll also theoretisch durch die Yogapraxis ein Losgelöstsein (von eigenen Gedanken, Gefühlen und äußeren Umständen) erzeugt und damit Leid (zum Beispiel Ängste) verhindert und innere Ruhe sowie inneres Gleichgewicht ermöglicht werden. Genau dieser Zustand von innerer Ruhe und innerem Gleichgewicht gilt als hilfreiche Voraussetzung, um nachhaltige Lernerfahrungen machen zu können (vgl. Kapitel 2.4).


Praktisch ist diese ausgleichende Wirkung des Yoga mittlerweile in vielen unterschiedlichen wissenschaftlichen Studien untersucht und die beruhigende und entspannende Wirkung des Yoga auf Geist und Körper (was zu weniger Stress und Angst führt) mehrfach nachgewiesen worden (vgl. Broad 2013, S.125 ff.). Das Stressniveau von Menschen kann unter anderem durch die Abnutzung von deren Telomeren gemessen werden und die wissenschaftlichen Forschungen der letzten Jahrzehnte (vor allem von Elizabeth Blackburn, welche den Nobelpreis für ihre Forschungsergebnisse über Telomerase erhielt) haben erstaunliche Erkenntnisse in Zusammenhang mit der Wirkung des Yoga auf Stress und die Abnutzung der Telomere gewinnen können (vgl. ebd., S. 80 ff., vgl. Abrams/ Lama/ Tutu 2019, S. 113 ff.).
Telomere sind DNA- Segmente am Chromosomen-Ende und werden bei jeder Zellteilung kürzer (vgl. Broad 2013, S. 80 ff.). Deshalb kann das Telomerase- Niveau auch als biologische Uhr fungieren (vgl. ebd.). Jedoch hat die Wissenschaft herausgefunden, dass sich die Telomere bei einigen Menschen langsamer verkürzen als bei anderen und diese Menschen somit, biologisch betrachtet, länger jung bleiben (vgl. ebd.). Das liegt daran, dass die Telomere in Folge von der Lebensweise und der körperlichen Gesundheit entweder schneller erodieren oder länger geschützt werden (vgl. ebd.). Ein Hauptfaktor für deren Erosion, neben der Ernährungsweise und Infektionen, ist chronischer seelischer Stress (vgl. ebd.). Durch Stressabbau kann die Abnutzung der Telomere verlangsamt werden. Dies ist insofern von nicht zu unterschätzender Bedeutung, als eine Verkürzung der Telomerlänge dazu führt, dass die alternden Zellen die Zellteilung einstellen (vgl. ebd.). Wenn also die Verkürzung der Telomerlänge durch Stressabbau verlangsamt wird, sind Zellen vor Alterung und Krankheit besser geschützt (vgl. Abrams/ Lama/ Tutu 2019, S. 113 ff.) Somit kann Stressabbau die biologische Uhr verlangsamen (vgl. Broad 2013, S. 82 ff.). Die Psychologin Elissa Epel hat gemeinsam mit der Molekularbiologin Elizabeth Blackburn herausgefunden, dass nicht nur Stress, sondern ebenfalls allgemein gedankliche Muster Einfluss auf die Abnutzung der Telomere haben (vgl. Abrams/ Lama/ Tutu 2019, S. 113 ff.). „Epel und Blackburn ziehen daraus den Schluss, dass unsere Zellen, „unseren Gedanken zuhören“ (Abrams/ Lama/ Tutu 2019, S. 114). Dean Ornish, der in Harvard zum Arzt ausgebildet wurde, leitete gemeinsam mit Elizabeth Blackburn an der University of California in San Francisco eine Studie, welche die Wirkungen von Yoga auf das Telomerase- Niveau und weitere körperliche und psychologische Effekte untersuchte (vgl. Broad 2013, S. 82). In der Ornish-Studie wurden die Werte von 24 Männern (im Alter zwischen 50 und 80 Jahren) vor und nach der dreimonatigen Durchführung von jeweils einstündigem Yogaunterricht an sechs Tagen pro Woche gemessen (vgl. ebd.). Die Ende 2008 veröffentlichten Ergebnisse zeigten deutlich gesunkene Cholesterin- und Blutdruckwerte und ein um 30 Prozent gesunkenes Telomerase- Niveau (vgl. ebd.). Ebenso wurden gesunkene Werte bei Indikatoren von emotionalem Stress (beunruhigende Gedanken) festgestellt (vgl. ebd.).Yoga kann demnach durch seine beruhigende Wirkung das Stressniveau und auch das Telomerase- Niveau verringern und so die biologische Uhr der Menschen verlangsamen und Langlebigkeit fördern (vgl. ebd., S. 80 ff.). Der Zustand der Homöostase, des inneren Gleichgewichts, welcher für nachhaltiges Lernen notwendig ist, wird durch das autonome Nervensystem reguliert (vgl. Kapitel 2.4). Das autonome Nervensystem setzt sich aus dem sympathischen Nervensystem (Sympathikus) und dem parasympathischen Nervensystem (Parasympathikus) zusammen (vgl. ebd., S. 142 ff.). Der Sympathikus ist für die Aktivierung des Körpers zuständig, durch ihn wird die Kampf- oder Flucht Reaktion (fight or flight) des Körpers aktiviert, was vor allem in früheren Zeiten und bei akuter (Lebens-)Gefahr lebenserhaltend wirkte (vgl. ebd.). Heute sind unsere Feinde in der Regel keine Säbelzahntiger mehr, jedoch aktivieren Stress und Angst (beispielsweise bei Leistungsdruck oder Angst vor Jobverlust) das sympathische Nervensystem des Körpers ebenfalls (vgl. Abrams/ Lama/ Tutu 2019, S. 113 ff.). Durch diesen Modus werden Verdauungsvorgänge gehemmt, Hormone (wie etwa Adrenalin) ausgeschüttet und die Körperfunktionen erhöht, die ein schnelles Handeln (Kämpfen oder Fliehen) ermöglichen, indem sie beispielsweise Blut zu den Muskeln transportieren (vgl. Broad, 2013, S. 142 f.). Der Sympathikus ist damit quasi „das Gaspedal des Körpers“ (Broad 2013, S. 142). Als Gegenspieler dazu ist der Parasympathikus eher die Bremse des Körpers, er ist verantwortlich dafür, die Nerven zu beruhigen und für Entspannung zu sorgen (vgl. ebd.). Er fährt den Adrenalinfluss wieder herunter, fördert die Nahrungsaufnahme und Verdauungsfunktionen sowie die Ruhefunktionen des Körpers (vgl. ebd.). Wenn beide Teile des autonomen Nervensystems „zusammenarbeiten, steuern sie den allgemeinen Energiefluss des Körpers, der eine [Sympathikus] sorgt für Verbrauch, der andere [Parasympathikus] für die Bewahrung“ (Broad 2013, S. 142). Dies führt zu einem Zustand des inneren Gleichgewichts, in welchem Lernen möglich ist (vgl. Kapitel 2.4). Die Aktivierung des sympathischen Nervensystems „ist von der Natur als seltener, kurzfristiger Zustand geplant. Doch bei vielen Menschen in der modernen Welt hält diese Reaktion permanent an.“ (Abrams/ Lama/ Tutu 2019, S. 113). Auf Grund des stressauslösenden Leistungsdrucks und „kollektiven Beschäftigungswahn[s]“ (Trökes/ Knothe 2014, S. 229) der modernen Leistungsgesellschaft (vgl. Kapitel 2.5.1), ist der Sympathikus somit häufig übererregt und das autonome Nervensystem des Menschen dadurch nicht im Gleichgewicht (vgl. Kapitel 2.4). Hinzu kommt, dass das sympathische Nervensystem leicht erregbar ist und der „Körper, wenn er sich selbst überlassen wird, immer das Gaspedal bevorzugt“ (Broad 2013, S. 143). Das autonome Nervensystem kann jedoch nicht nur von Umweltbedingungen beeinflusst werden, sondern auch durch bewusste Aktionen, wie beispielsweise bestimmte Muskelarbeit (Muskeltonus) und Atmung (Atmungsrate) gezielt angesteuert werden (vgl. ebd., S. 146). Durch Yoga können beide Seiten des autonomen Nervensystems (Sympathikus und Parasympathikus) bewusst (an)gesteuert und reguliert werden (vgl. ebd., S. 143 ff.). Je nach Yoga- Stil, Körperstellungen in der Praxis (asana) und ausgewählten Atemübungen (pranayama) können sowohl das sympathische, als auch das parasympathische Nervensystem angesprochen werden (vgl. ebd., S. 147 ff.). Dadurch kann die Yogapraxis entweder aktivierend oder beruhigend wirken (vgl. ebd.). Fließende, dynamische Yogastile mit starker Muskelbeanspruchung (wie beispielsweise Ashtanga Yoga), sowie eine beschleunigte Atmung wirken stimulierend auf das sympathische System, während Yogastile mit Betonung auf statische Stellungen (wie beispielsweise das Yoga Iyengars) als auch eine Verlangsamung der Atmung, das parasympathische System aktivieren (vgl. ebd., S. 147 f.). Die asana des Schulterstandes wirkt beispielsweise auf den Parasympathikus, denn, ausgelöst durch die Körperstellung (Kinn auf den oberen Brustbereich drückend, welches sich auf die Halsschlagadern auswirkt), übernimmt sie die Rolle eines Blutdrucksenkers, eine der wichtigsten Funktionen des autonomen Nervensystems (vgl. ebd., S. 144 ff.). Broad hält in Bezug auf den renommierten Yogalehrer Robin fest, dass zu jeder Yogapraxis die bewusste Ansteuerung des Sympathikus (Gaspedal des Körpers) als auch des Parasympathikus (Bremse des Körpers) dazugehören, um das autonome System zu trainieren (vgl. ebd., S. 149). Den positiven Effekt der Einflussnahme des Yoga auf bewusste Steuerung von Sympathikus und Parasympathikus beschreibt Broad nach Robin wie folgt: „Durch die dadurch gewonnene energetische Flexibilität überwinde man die üblichen Bedingungen des Stoffwechsellebens und entwickle neue Fähigkeiten, um Zustände innerer Ausgewogenheit und Harmonie zu erreichen“ (Broad 2013, S. 149). Und genau dieser, durch Yoga erreichte Zustand innerer Ausgewogenheit und Harmonie (Homöostase), ist es, welcher nachhaltiges Lernen ermöglicht (vgl. Kapitel 2.4). Abgesehen von der Aktivierung des parasympathischen Nervensystems ist in der Wissenschaft ein biochemischer Faktor bekannt, welcher direkt das „zur Ruhe kommen“ der Gedanken fördert (vgl. ebd., S. 293 f.). Der Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure (kurz GABA) hat eine beruhigende Wirkung auf Körper und Geist (vgl. ebd.). Durch die Ausschüttung von GABA werden die Gedanken direkt beruhigt, da dadurch die neuronale Aktivität im Gehirn verlangsamt wird, indem die Neuronen in einen weniger erregbaren Zustand versetzt werden (vgl. ebd.). Durch das Depressivum Alkohol wird das Denken verlangsamt, indem Äthylalkohol mit Neuronen bindet und damit eine chemische Umgebung schafft, welche die entspannende Wirkung von GABA verstärkt (vgl. ebd.). Neben Alkohol wurde eine weitere Möglichkeit gefunden, welche auf direktem Wege den GABA Wert erhöht und dabei nicht die unangenehmen Nebenwirkungen des Alkoholkonsums aufweist (vgl. ebd.). Auch das Praktizieren von Yoga führt nachweislich dazu, dass der GABA Spiegel ansteigt (sich bis zu verdoppeln kann) und damit direkt eine beruhigende Wirkung und die Verlangsamung der Gedanken auslöst (vgl. ebd.). Das Ergebnis einer regelmäßigen Yogapraxis beschreibt Broad infolgedessen wie folgt: „ein Gefühl des körperlichen und mentalen Ruhigwerdens, der zunehmenden Entspannung und abnehmenden Angst“ (Broad 2013, S. 294).

Literatur:

Abrams, Douglas/ Desmond, Tutu/ Lama, Dalai (2019): Das Buch der Freude. 2. Auflage.
München

Broad, William J. (2013): The Science of Yoga. Was es verspricht- und was es kann.
Freiburg im Breisgau

Schwalbach, Michael (2016): Yoga und Meditation für Führungskräfte. Einführung in
die uralte Weisheitslehre Yoga für eine bessere Führungsqualität. Wiesbaden.

Skuban, Ralph (2011): Patanjalis Yogasutra. Der Königsweg zu einem weisen Leben. 4.
Auflage. München

Trökes, Anna/ Knothe, Bettina (2014): Neuro- Yoga. Wie die alte Weisheitspraxis auf
unser Gehirn wirkt. München

Buchtipps Yoga

Immer wieder werde ich gefragt, ob ich gute Bücher zum Thema Yoga empfehlen kann. Das Thema Yoga ist so weit und gleichzeitig tief, dass es weniger ein Buch zu allem was Yoga umfasst geben kann, sondern vielmehr verschiedene Bücher zu unterschiedlichen Aspekten und Unterthemen des Yoga zu finden sind. Hier findest du eine Auswahl verschiedener Bücher, die ich empfehlen kann, um sich tiefer mit Aspekten des Yoga auseinanderzusetzen:

Wenn es jedoch ein Buch geben sollte, das Yoga als Ganzes beschreibt, dann ist es mit Sicherheit Patanjalis Yogasutra. Dieses Buch umfasst die erste geschlossene Abhandlung über den Begriff Yoga, welche etwa 325 bis 425 nach Christus von Patanjali verfasst wurde. Die insgesamt 195 Sutras (Aphorismen) in vier Kapiteln sind in der indischen Sprache Sanskrit verfasst und wurden später von verschiedenen Autoren in andere Sprachen übersetzt und mit Kommentaren zur möglichen Interpretation der Sutras versehen, da die Sutras ohne Vorwissen kaum zu verstehen sind. Heute gilt Patanjalis Werk als die Quintessenz des Yoga. Wer in dieser Schrift jedoch nach Anleitungen zu Yoga asanas (=Yoga Haltungen) sucht, wird hier nicht fündig. Der Sinn des ursprünglichen Yoga, waren nie Körperhaltungen. Diese sind nur ein kleiner Bestandteil des Yoga Weges, um den Körper auf die Meditation vorzubereiten. Dementsprechend wird in diesem Buch der Fokus auf den Yogaweg in traditioneller Hinsicht gerichtet und es handelt sich dabei eher um einen philosophischen Text der Anleitung, welcher die vielschichtigen (mentalen) Prozesse des Yoga beschreibt.

William Braod ist mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Wissenschaftsjournalist und das merkt man seinem Buch, geprägt ist von umfangreichen Recherchen und seinem eloquenten Schreibstil, an. Ich bin großer Fan von diesem Buch! Broad gibt einen umfangreichen und dabei übersichtlichen Einblick über die bis dato erschienene wissenschaftliche Forschung hinsichtlich verschiedener Aspekte des Yoga. Darunter unter anderem die bisher erforschte Wirkung von Yoga auf Gesundheit, Stimmungen, das Verletzungsrisiko, Heilung, Sex und Muse. Broad setzt sich dabei kritisch mit diversen Kontroversen im Yoga, wie beispielsweise der Behauptung von der Erreichung übernatürlicher Fähigkeiten durch Yoga und das Verletzungsrisiko verschiedener Yogaformen auseinander. Mir persönlich gefällt die neutral- wissenschaftsbasierte Auseinandersetzung mit der spirituellen Praxis des Yoga dabei sehr. Für mich einer der besten Bücher, um einen ersten Überblick über die (Aus-)Wirkungen des Yoga zu bekommen. Hinzuzufügen ist an dieser Stelle jedoch, dass das Buch 2013 erschienen ist und somit natürlich nur Forschungen, die bis dato veröffentlicht wurden, beinhalten kann. In dem letzten Jahrzehnt ist jedoch vermutlich ungefähr die Menge an Yoga-Forschungen zusammengetragen wurden, wie in den ganzen Jahrzehnten davor zusammen. Dementsprechend ist dieses Buch nicht auf dem neusten Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Anna Trökes als erfahrene Yoga-Lehrerin und die Neurowissenschaftlerin Bettina Knothe beschreiben in ihrem Buch welche Auswirkungen Yoga (Körperübungen, Atemübungen und Mediation) jeweils auf verschiedene Gehirnregionen hat. Sehr anschaulich und leicht verständlich erklären sie die neurologischen Prozesse, welche durch Yoga stimuliert werden. Wer an den neurologischen Abläufen hinter einer verbesserten Konzentration und Gedächtnis, emotionalem Gleichgewicht und Stressreduktion, die eine regelmäßige Yogapraxis nachgewiesenerweise erzielen, interessiert ist, für den/diejenige ist dieses Buch genau das Richtige. Das Buch gibt einen wunderbaren ersten Überblick über die Zusammenhänge von Yogapraxis und Gehirnprozessen und bietet dabei eine angenehme Kombination aus Recherchen von wissenschaftlicher Forschung und praktischen Anleitungen für Lesende.

Paul Grilley als Vater des YinYoga, welcher maßgeblich dazu beigetragen hat, YinYoga dem Westen zugänglich zu machen gibt mit diesem Buch eine Einführung in die Prinzipien des YinYoga. Besonders spannend finde ich an diesem Buch, dass er die Prinzipien des (Yin)Yoga mit den Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin vergleicht und hiermit eine Verbindung zwischen zwei Traditionen (Yoga/Ayurveda und TCM) herstellt, die andere Wörter nutzen, aber auf den gleichen Prinzipien aufbauen. Er geht in seinem Buch auf die Bedeutung von Yin und Yang, die Meridiantheorie und die Anatomie des Bindegewebes ein und schafft es dabei das Wichtigste auf den Punkt zu bringen und sich kurz zu halten. Das Buch umfasst die Abbildung und Beschreibung unterschiedlicher Yin Yoga Positionen und Meditationspraktiken. Insgesamt würde ich das Buch keinen Yoga- Anfängerinnen empfehlen, sondern eher Praktizierenden, die die feinschichtigeren Ebenen ihrer Yogapraxis tiefergehend verstehen, erkunden und erweitern wollen.

Dieses Buch ist nicht direkt ein Buch über Yoga, sondern über Atmung. Da Atmung und Atempraktiken (pranayama) aber eine zentrale Rolle in der Yogapraxis einnimmt und das Buch auch auf Yoga Atemtechniken eingeht, würde ich es zu Yogaliteratur zählen.

Nestor nimmt die Lesenden in seinem Buch mit auf eine Reise durch seine eigene Geschichte der Erkundung der Atmung, die über traditionellen Atemtechniken des Yoga bis hin zu modernen wissenschaftlichen Entdeckungen reicht. Dabei beschreibt er die Auswirkungen, welche unsere Atmung auf unsere körperliche und mentale Gesundheit hat. Für alle, die unter Atemproblemen, Stress oder Schlafproblemen (Schnarchen etc.) leiden, kann dieses Buch mit Sicherheit sehr aufschlussreich und hilfreich sein. Darüber hinaus kann es von großem Potential sein, sich als atmender Mensch mit dieser oft unterschätzten Funktion unseres Körpers bewusst auseinanderzusetzen. Nestor erklärt Forschungsergebnisse, die aufzeigen wie eine bewusste und richtige Atmung unsere körperlichen und mentalen Fähigkeiten, Schlafqualität und Stimmungen positiv beeinflussen kann und gibt hilfreiche Tipps für eine bewusstere und umfangreiche Atmung. Für mich ist Nestors Buch ein must-read für jede*n, der/die die Auswirkungen der Atmung, auch in Bezug auf Yoga, besser verstehen möchte.

Ich hoffe in dieser Liste an Literatur ist etwas für dich dabei, was dich anspricht zu lesen. Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Eintauchen in die Praktiken, Wirkweisen und verschiedenen Aspekte des Yoga! Falls du ein Buch hiervon liest, gib mir gerne bescheid, wie es die gefallen hast und falls du Literaturtipps für mich hast, immer gerne her damit! 🙂

Entstehung und Differenzierungen des Yoga

Die erste Erwähnung von Yoga fand circa 2500- 1000 vor Christus in den sogenannten Veden statt. Die Veden sind die ältesten und heiligsten Schriftensammlungen der in Indien entstandenen Kultur, des Hinduismus. Begriffsdefinition und Inhalt des Yoga haben sich über die Zeit stark verändert, sodass man sagen kann, dass Yoga selbst verschiedene Phasen durchlebt hat.  

In der ersten vedischen Phase, welche bis etwa 200 vor Christus datiert ist, bedeutete Yoga vorwiegend Ethik und religiöse Spiritualität mit Gebeten, Meditationen und Opfergaben zum Zwecke der Befreiung aus dem Diesseits. Die darauffolgende klassische Phase des Yoga war geprägt von Spiritualität und der Gesundheit des Geistes durch Meditation. Die tantrische Phase, auch Hatha genannt, ab etwa 500 nach Christus, stellte ebenfalls Spiritualität und Gesundheit in den Mittelpunkt des Yoga, in Ergänzung durch pranayama, der bewussten Atemkontrolle. Die Moderne Phase des Yoga ab circa 1930 stellte daraufhin, neben Gebeten, Meditationen und pranayama, vor allem die asanas (Körperübungen) und Vinyasa (Yogastil, der Atem und Bewegung fließend verbindet) in den Vordergrund, mit dem Ziel sowohl Fitness und Gesundheit als auch Heilung und Spiritualität zu erlangen. Diese moderne Phase des Yoga ist vor allem durch die indische Unabhängigkeitsbewegung und den Neu-Hinduismus entstanden (vgl. Broad 2013, S. 56 ff.). Als in Indien eine „Welle des Nationalismus versuchte, den Hinduismus als Grundlage der indischen Nationalidentität wiederzubeleben und zu modernisieren“ (Broad 2013, S. 56), war Yoga mit seinen alten Wurzeln (bis in die vedische Phase hinein) für dieses Bestreben eine große Hoffnung (vgl. ebd.). Jedoch sollte sich die Aufmachung von Yoga für diesen Zweck komplett erneuern, weg von Magie, Erotik und Esoterik (Tantra) und hin zu einem neuen Ansehen des Yoga, das „Wissenschaftlichkeit und Hygiene, Gesundheit und Fitness ausstrahlte“ (Broad 2013, S. 57 ff.). 

Im Laufe der Geschichte des Yoga haben sich vier verschiedene Wege des Yoga herauskristallisiert, welche alle dasselbe Ziel haben, nämlich die Selbstverwirklichung und Vereinigung mit der Quelle allen Seins, oft auch als „Einheitszustand“ beschrieben. Die vier verschiedenen Wege werden unterschieden als: Bhakti Yoga (Yoga der Liebe und Hingabe), Karma Yoga (Yoga des selbstlosen Handelns), Jnana Yoga (Yoga des Wisssens und der Erkenntnis), sowie Raja Yoga (auch Kriya Yoga genannt, das Yoga der Geistesbeherrschung). Letzteres wird unterteilt in: Hatha Yoga (Yoga der Körperstellungen) und Kundalini Yoga (Yoga der Energieerweckung und Energielenkung). Alle dieser vier Ausprägungen gelten als gleichbedeutsam.

Einer der einflussreichsten Schriften für das moderne Yoga ist Patanjalis Yogasutra, als erste geschlossene Abhandlung über den Begriff Yoga, welche etwa 325 bis 425 nach Christus (in der klassischen Phase des Yoga) von Patanjali verfasst wurde. Die insgesamt 195 Sutras (Aphorismen) in vier Kapiteln sind in der indischen Sprache Sanskrit verfasst und wurden später von verschiedenen Autoren in andere Sprachen übersetzt und mit Kommentaren zur möglichen Interpretation der Sutras versehen, da die Sutras ohne Vorwissen kaum zu verstehen sind. Heute gilt Patanjalis Werk als die Quintessenz des Yoga, in welchem er den Weg eines Übenden zur Erleuchtung und Selbstverwirklichung, zu samadhi als Ziel, beschreibt. Wegweisend hierfür ist der achtgliedrige Pfad des Yoga. Die acht Stufen auf dem Weg zu diesem Ziel sind: 1. Disziplin (yama), 2. Beherrschung (niyama), 3. Körperstellung (asana), 4. Atemkontrolle (pranayama), 5. Sinnesrückzug (pratyahara), 6. Konzentration (dharana), 7. Meditation (dhyana) und 8. Ekstase (samadhi) (vgl. Skuban 2011). Sinnesrückzug und Konzentration münden in Meditation, welche wiederrum in der Ekstase (samadhi) münden kann (vgl. ebd., S. 162). 

Das Ziel und der Zustand des Yoga zugleich können als das Gefühl von Einheit in Folge von Klarheit und Ruhe beschrieben werden. Das zweite Sutra Patanjalis „yogash chitta-vritti-nirodhah“, übersetzt als „Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen (nirodhah) der dauernd sich verändernden mentalen Muster (chitta-vritti)“ (Skuban 2011, S. 19) und weiter: „Dann ruht der Seher in sich selbst: Dies ist Selbst- Verwirklichung“ (Skuban 2011, S. 20) beschreibt den im Yoga angestrebten mentalen Zustand der Klarheit, Ruhe und Einheit. Insgesamt können die verschiedenen Yoga Wege und der achtgliedrige Pfad des Yoga als umfassende Übungspraxis auf körperlicher, emotionaler und geistig- mentaler Ebene verstanden werden.

Literatur:

Broad, William J. (2013): The Science of Yoga. Was es verspricht- und was es kann. Freiburg im Breisgau 

Skuban, Ralph (2011): Patanjalis Yogasutra. Der Königsweg zu einem weisen Leben. 4. Auflage. München

Wie alles begann…

Meine erste Yogastunde habe ich mit etwa 18 Jahren in meinem damaligen „Kinderzimmer“ gemacht und zwar mit einer auf CD aufgenommenen Yogastunde. Die CD hatte ich aus einer meiner Fitnesszeitschriften und als ich sie in meinen Laptop geschoben hatte (ja, damals gab es noch CD Abspieler in Laptops!) startete der Power Yoga Flow. Ich mochte es und probierte mich von da an sporadisch an verschiedenen YouTube Yoga Videos aus.  Schnell merkte ich, dass die Videos mir zwar Spaß machten, sich die Yogahaltungen aber nicht immer richtig ausgerichtet anfühlten und damit wuchs der Wunsch in mir tiefer in die Anatomie des Yoga einzutauchen. Daraufhin besuchte ich Yogaklassen in Yoga Studios und entschied mich relativ schell dazu eine Yogalehrerin Ausbildung zu machen, mit dem Hintergedanken meine eigene Praxis zu erweitern. Yoga selbst zu unterrichten war zu dem Zeitpunkt des Ausbildungsstartes absolut keine Option.

Mit relativ wenig Yogaerfahrung „stolperte“ ich also 2019 in meine erste 200 Stunden Yoga Ausbildung, neugierig und nicht ahnend was sich damit alles für mich verändern würde. Ich entschied mich für eine Ausbildung in meiner Heimatstadt Mainz, die an Wochenenden stattfand. Somit konnte ich die Ausbildung während meinem Studiums und meines Jobs absolvieren.

Die Ausbildung selbst war herausfordernd in vielen Hinsichten. Sie war körperlich fordernd, weil ich zu dem Zeitpunkt absolute Beginnerin war und viele andere Teilnehmer*innen schon jahrelange intensive Yoga- Erfahrung mitbrachten. Vor allem aber war sie emotional herausfordernd, weil ich durch den schlimmsten Liebeskummer (hoffentlich meines Lebens, we will see) gegangen bin und oft nicht wusste wo mir der Kopf und das Herz standen. Tiefer in die körperlichen, aber vor allem auch mentalen und spirituellen Strukturen des Yoga einzutauchen während mein Herz voller Liebeskummer war, hat mich innerlich quasi aufgebrochen. Auf eine gute Art und Weise, kann ich im Nachhinein sehen. Damals war es in erster Linie oft aufwühlend. An dieser Stelle also keine „happy Teacher Training sunshine story“. Ich habe bisher in meinem Leben noch nie so viel geweint wie in der Zeit dieser Ausbildung. Meine Ausbilderin hat damals zu uns gesagt „wer noch nie beim/ nach dem Yoga geweint hat, hat Yoga noch nicht wirklich erfahren“. Und ich denke da ist etwas Wahres daran, denn wenn wir bereit sind uns von Yoga auf allen und auch tieferen Ebenen berühren zu lassen, dann setzt dies etwas in Bewegung, dann verändert sich etwas. Dann berührt es uns tief in unseren Emotionen und unserem Sein. Dann kann uns Yoga Heilung bringen. 

So bin ich also durch das Teacher Training gegangen, wissbegierig und neugierig, sog alle Informationen wie ein Schwamm auf, begeisterte mich immer mehr für die vielen Facetten dieser langbewährten Tradition und Philosophie. Meine ersten Versuche im Rahmen der Ausbildung zu unterrichten waren so holprig und ungalant, dass ich froh war das Teacher Training nur für meine eigene Praxis zu durchlaufen. Doch mit der Zeit wurde ich sicherer und es machte Stück für Stück mehr Spaß die Leidenschaft, die ich so schnell für Yoga entwickelte, durch das Unterrichten in unserer Ausbildungsgruppe weiterzugeben. Unsere Lehrerin motivierte uns stark mit dem Unterrichten anzufangen, uns zu trauen, und gab mir das Feedback, dass ich dafür losgehen sollte, dass ich Yoga unterrichten sollte. Und so kam es dann schnell, dass ich noch während der Ausbildung meine ersten offenen Yogastunden vertretungsweise unterrichtete und schnell wurde mir meine eigene feste Stunde im Yogastudio angeboten. Ich habe schon immer gerne unterrichtet, habe Erwachsenenbildung studiert und Tutoriumskuse an der Uni unterrichtet, hätte aber bis zu diesem Zeitpunkt nie gedacht, dass ich Yogalehrerin werden würde und es mir so viel Freude und Erfüllung schenken würde.

Die Liebe zu Yoga war damit entfacht, mein Liebeskummer wurde langsam besser und ich spürte schnell, dass dies erst der Anfang einer langen (Yoga) Reise sein würde.